Gegen die Zeit/ Momblona


Während die Himmel vorüberziehen

Farben flirrend Hitze atmen

Ackerboden sich satt dem Horizont entgegendehnt

Mauerwerk träge im gleißenden Sommerlicht

überzogen von ockergelber Haut den Winden trotzt

während also der Himmel sich hinzieht

bäumen die Letzten sich auf -

gegen die Zeit.



Das Gedicht ist entstanden auf einer Reise durch die Provinz Soria in Spanien. In dieser von wuchtigen Felsadern durchzogenen Hochebene #Serranía Celtibérica leben nur noch wenige Menschen. Infolge der Mechanisierung der Landwirtschaft sowie der Aufgabe bäuerlicher Kleinbetriebe und des daraus resultierenden geringeren Arbeitskräftebedarfs auf dem Lande ist die Zahl der Einwohner in der industriearmen Region seit der Mitte des 20. Jahrhunderts drastisch zurückgegangen.

In Geisterdörfern, die unter der Woche leer stehen und in die die ehemaligen Bewohner nur noch samstags und sonntags zurückkehren, weil sie ihr "Pueblo" nicht komplett aufgeben wollen, stemmen sich die Übriggebliebenen und vielleicht ein findiger oder störrischer Bürgermeister gegen die schleichende Entvölkerung. Wie in #Momblona, wo ich zwischen zerfallenden Häusern, weiten Getreidefeldern und einer gerade erst restaurierten Kirche, diese seltsame Stimmung aus Verlust, trotzigem Widerstand und mutigem Aufbruch miterleben durfte.

Unter anderem stieß ich dort auch auf die rührende Liebesbeziehung des spanischen Dichters #Antonio Machado, der sich 34-jährig und als Französischlehrer in Soria angestellt, in die 15-jährige Tochter seines Vermieters verliebte. Die beiden heirateten, zogen nach Paris und drei Jahre später starb die junge Leonor an Tuberkulose.

Von ihm stammt übrigens der Vers „Wanderer, du hast keinen Weg. Der Weg entsteht im Gehen“ (Antonio Machado: Gedicht Der Wanderer. Abgedruckt in Kirchenbote, Nr. 11 vom 20. März 2022), der im deutschen Sprachraum abgewandelt wurde zu Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen und Franz Kafka zugeschrieben war.